Aus der Hauptversammlung des DBV-Kuratoriums in Straubing / DBV-Präsident Jürgen Kyas als Gastredner

Uwe Hamann: Förderverein künftig wichtiger denn je

Straubing. Am Rande der 94. Deutschen Elitemeisterschaften des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV) in Straubing tagte das DBV-Kuratorium. Dass dieser rund 50 Mitglieder zählende Förderverein wichtiger denn je sei, stellte Kuratoriumschef Uwe Hamann (Salem) fest, nachdem mit Jürgen Kyas der DBV-Präsident als Gastredner zu brisanten Themen wie Korruptionsvorwürfen gegen die AIBA und WM in Hamburg 2017 Stellung bezogen hatte. Kyas lobte zunächst die Spendenpraxis des Kuratoriums und dankte „auf das Allerherzlichste für großzügige Zuwendungen“ zugunsten der Nachwuchsboxer.

„Das ist nicht nur eine gute Tat, sondern diese Mittel sind auch sehr nötig“, stellte Kyas fest. Es sei nämlich eine „Katastrophe“, dass der Verband keine öffentlichen Mittel für seine Kadetten und Junioren erhalte, sondern erst ab der U19-Jugendklasse staatlich gefördert werde. Bei Gesprächen mit Politikern ernte man Verständnislosigkeit: „Die glauben wohl, unsere Talente wachsen auf Bäumen und man bräuchte sie nur zu pflücken.“

Die prekäre Situation werde sich, so Kyas, auch in den nächsten vier Jahren nicht ändern. Im Gegenteil: Nach Auskunft von Kyas hat der Haushaltausschuss des Deutschen Bundestags die Grundfördermittel auf vier Jahre eingefroren und gekürzt. So müsse der DBV mit über 100.000  Euro weniger rechnen. Fazit Kyas: „Ich weiß noch nicht, wie wir den nächsten olympischen Zyklus stemmen können.“

Auch zum Verdacht der Korruption bei den Olympischen Spielen, den ein Artikel der New York Times aktuell befeuert, nahm Kyas Stellung: „Ich muss zugeben, dass da wahrscheinlich viel Wahres dran ist.“ Die AIBA, der Kyas als Mitglied des Exekutivkomitees angehört, scheue sich jedoch nicht, zu ermitteln. Kyas ahnt es bereits: „Es werden sehr unangenehme Dinge herauskommen.“

Kyas zeigte sich „sehr gespannt, was das Internationale Olympische Komitee tun wird, wenn die Karten auf dem Tisch liegen“. Schon jetzt stehe fest: Nachdem weltweit 36 Kampfrichter suspendiert worden seien, gelte es, eine neue Kampfrichterelite aufzubauen. „Deutschland wird dabei eine Rolle spielen“, sagte Kyas.

Wegen des Dauerbeschusses, unter dem die AIBA stehe, sei die Erwartungshaltung an die WM in Hamburg riesengroß. Vom 25. August bis 3. September 2017 steigen die AIBA-Titelkämpfe in der Alsterstadt. Im Dezember ist eine Delegation des Weltverbands zu Gast in Hamburg. Noch sei kein Vertrag mit öffentlich-rechtlichen Sendern in trockenen Tüchern, doch stehe man in guten Gesprächen. Um Vorgaben bei den Sendezeiten zu entsprechen, habe sich auch die AIBA bereit erklärt, das Finale mit jeweils fünf Kämpfen gegebenenfalls auf Samstag und Sonntag zu verteilen.

Zur WM-Finanzierung führte Kyas aus: „Das Geld ist da, es wird von der Stadt Hamburg bezahlt.“ Die Landesverbände „brauchen nicht befürchten, dass wir an ihr Portemonnaie müssen“.

Inzwischen, so stellte Hamann zufrieden fest, zeigten sich viele Landesverbände „solidarisch mit unseren Zielen im Kuratorium“. Als Mitglieder haben sich dem Kuratorium angeschlossen: Niederrheinischer Boxsportverband, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Sachsen.

Hamann würdigte die erfolgreiche Kooperation mit Ex-Nachwuchsbundestrainer Hansi Birka (NRW), dessen Team mit Artur Bril (2010) und Peter Kadiru (2014) bei zwei Jugendolympiaden jeweils Gold geholt hatte. „Es war eine tolle Zusammenarbeit, und ich hoffe auf Kontinuität mit Oliver Vlcek als Nachfolger“, sagte Hamann.

Hamann selbst kündigte an, wegen seinem neuen Amt als Präsident des Boxverbands Baden-Württemberg und aus beruflichen Gründen bei der Wahl 2017 nicht mehr als Kuratoriumsvorsitzender zur Verfügung zu stehen.

Wahlen: Zur Stellvertreterin von Schatzmeister Herbert Pütz wurde Maria Pütz ernannt.

Ehrungen: Als Kuratoren 2016 wurden Rolf Bley, Uwe Hamann, Hans-Joachim Jobs, Hans John, Karl-Heinz Krüger, Christa Maria und Herbert Pütz, Wolf Römer, Heiner Schumann und Werner Kranz ausgezeichnet.

Autor und Foto: Peter Jaschke (BVBW)

Die Kuratoren 2016 des DBV-Fördervereins um Präsident Uwe Hamann (2. v. r.), Vizepräsident Werner Kranz (2. v. l.) und Schatzmeister Herbert Pütz (l.), die selbst mindestens 200 Euro oder mehr gespendet hatten: Hans John (r.), Christa Maria Pütz (3. v. r.), Rolf Bley (4. v. r.) und Karl-Heinz Krüger (3. v. l.).

Die Kuratoren 2016 des DBV-Fördervereins um Präsident Uwe Hamann (2. v. r.), Vizepräsident Werner Kranz (2. v. l.) und Schatzmeister Herbert Pütz (l.), die selbst mindestens 200 Euro oder mehr gespendet hatten: Hans John (r.), Christa Maria Pütz (3. v. r.), Rolf Bley (4. v. r.) und Karl-Heinz Krüger (3. v. l.).

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