Max Liebermann Ausstellung in der Kunsthalle Bremen vom 22. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017

„Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport“

Sport durchdringt heute nahezu alle Lebensbereiche und gehört zum modernen Lifestyle. In Deutschland begann der Siegeszug des Sports bereits vor über hundert Jahren: Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich in seinen Gemälden zu Tennis und Polo intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte. Eine große Ausstellung in der Kunsthalle Bremen untersucht erstmals Max Liebermanns Blick auf Bewegung und Sport in der Zeit vor 1914.  Der Wandel in den 1920er Jahren, als die Sportbegeisterung die Massen erfasste, wird in der Ausstellung am Beispiel des Boxens veranschaulicht.

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Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen ist vom 22.10.2016 bis uzm 26.02.2017 zu sehen

In der Ausstellung in der Kunsthalle Bremen, die am 20.10.2016 u.a. in Anwesenheit von DOSB – Präsident Alfons Hörmann eröffnet wurde, werden die „sportlichen“ Motive des Künstlers Max Liebermann mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen, Pastellen und Druckgrafik vorstellt.

Die Anfänge des Boxsports in Deutschland

Für die jüngere Künstlergeneration der 1920er Jahre war Boxen der spannendste Sport. Er war jung, neu und ein bisschen anrüchig, weil er in Deutschland lange Zeit verboten war. Während in England bereits im 17. Jahrhundert Ringkämpfe als Unterhaltungsveranstaltungen öffentlich ausgetragen wurden, verbreitete sich der Boxsport in Deutschland verhältnismäßig spät: Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts schwappte das Interesse am Boxsport von England auch auf das europäische Festland über. Zunächst wurde der Sport als „undeutsch“ betrachtet und fand nur vereinzelt im Umfeld der Turnerbewegung Anklang. Tatsächlich blieb das Austragen öffentlicher Boxkämpfe bis 1908 in Deutschland offiziell verboten, auch wenn Boxen bereits 1904 olympisch geworden war. Trotzdem wurden bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert einige öffentliche Boxkämpfe ausgetragen. So fand der Amateursport bereits um die Jahrhundertwende insbesondere in Berlin und Hamburg einigen Zuspruch. Der Profisport lebte jedoch erst nach der Aufhebung des Verbots 1908 in Deutschland auf.

Während des Ersten Weltkrieges entwickelte sich das englische Internierungslager auf der Isle of Man zur Keimzelle des deutschen Boxsports: Hier bot sich auch für Gefangenen die Gelegenheit zum Boxtraining. Der spätere deutsche Meister Hans Breitensträter lernte hier das Boxen. Er kehrte nach Kriegsende nach Deutschland zurück und begann als Profiboxer Geld zu verdienen. Sein Sieg im April 1920 über den älteren Otto Flint symbolisiert den erfolgreichen Beginn des Profiboxens in Deutschland: Breitensträter als kräftiger, charismatischer und gutaussehender Kämpfer verkörperte einen neuen Siegertypus. Der Boxsport stand nun für Modernität und eine neue Körperkultur. Er durchdrang alle Gesellschaftsschichten und avancierte in den 1920er Jahren zur populärsten Sportart in Deutschland.

Kunst und Boxen

Der Berliner Kunsthändler Alfred Flechtheim regte viele Künstler an, Boxer darzustellen. Als Boxenthusiast hatte er bereits Anfang der 1920er Jahre in seiner Zeitschrift Der Querschnitt die Sportbegeisterung der breiten Masse vorangetrieben: „Der Querschnitt hält es für seine Pflicht, den Boxsport auch in den deutschen Künstlerkreisen populär zu machen.“

Auf unterschiedlichste Weise porträtierte die junge Künstlergeneration den neuen Sport: Rudolf Belling charakterisierte Max Schmeling muskulös mit erhobenen Fäusten und Ernesto di Fiori orientierte seine Boxerskulpturen eher an antiken Jünglingsdarstellungen. Helmut Kolle zeigte dagegen auch die Verletzlichkeit der Boxer: Statt des kraftvollen Siegers verkörpern sie bei ihm den allgemeinen Lebenskampf.

(Text: Lena Schrage, Ausstellungsassistenz)

Adresse / weitere Informationen:

Kunsthalle Bremen | Am Wall 207 | 28195 Bremen | Germany

www.liebermann-bremen.de | T +49 (0)421-32 908 0 | F +49 (0)421-32 908 470

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