Internationale U18-DM in Köln: Deutschland feiert 14 neue Box-Champs

Flüchtlinge zu Gast auf der BoxDM

Flüchtlinge zu Gast auf der Box DM in Köln (l. mit Mütze 2. Vorsitzender Colonia, Prof.Dr. Rolf Sobottke)

Selten wurde bei Nachwuchs-Titelkämpfen derart guter Boxsport gezeigt, wie auf der 23. internationalen U18 Meisterschaft, die vom 10. – 14. November in Köln stattfand. Um die 14 neuen Deutschen Box-Champions zu ermitteln, waren insgesamt 82 Kämpfe nötig. Auffällig war die gute Boxschule, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentierten. Nicht die Kraft stand bei den Fights im Vordergrund, sondern feine Technik und erstklassige Beinarbeit. Auch wurde im Vergleich zu früher mehr zum Körper geschlagen. Und das sehr wirkungsvoll.

Richtige Hingucker waren die Frauenkämpfe, allen voran die von Vivien Neumann. Im Halbfinale ließ sie Joana Kölln aus Niedersachsen keine Chance. Mit dem ersten Gongschlag bombardierte Baden-Württembergs Leichtgewichtlerin die junge Niedersächsin. Das Gefecht war nach zwei Minuten vorbei. Auch im Kampf um Gold setzte sich Neumann durch. Allerdings musste sie gegen Antonia Biradi aus Hessen hart arbeiten, um am Ende ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Im Halbweltergewicht räumte der Hesse Artur Mamberger drei Gegner ab, und zwar: Bremens Demir Oguzhan, danach Ali Mohamad aus Niedersachsen und zum Schluss den Sachsen Nikita Gil.
Klar, dass der Vize-Europameister nach dieser Serie als Gold-Favorit gehandelt wurde. Doch im Endkampf stellte Thüringens Richard Meinecke die Welt auf den Kopf. Der Nordhäuser Rechtsausleger zeigte aggressives Führhandboxen, auf das sich Mamberger nicht einstellen konnte. Rechts-Links-Rechts schlug Meinecke in die Lücken und drehte sich bei Mambergers Kontern über das Spielbein aus der Gefahrenzone. Es war krass, welch feine Technik der Thüringer zeigte. Mamberger steckte zu keiner Sekunde auf, doch zum Siegen reichte es diesmal nicht.
Für seine Leistung wurde Meinecke mit dem Preis des besten Technikers ausgezeichnet.

Nach seinem Überraschungssieg gegen Duisburgs deutschen Meister, Antonio Stefan, stand auch ein Faustkämpfer des SC Colonia im Finale. Weltergewichtler Adnan Ukella bestätigte seine überragende Form aus der Vorrunde und gewann gegen Narek Makaryan zurecht die Goldmedaille und den Pokal für den besten Boxer.

Ein sichtbares Zeichen der Solidarität demonstrierten die Ausrichter vom SC Colonia 06. Sie luden 50 Flüchtlinge zur Meisterschaft ein, die in Deutschland Schutz vor Gewalt und Terror in ihrer Heimat suchen. Gemeinsam mit den vielen Fans freuten sie sich über die tollen Kämpfe. So kennt man Köln – so kennt man den Boxsport.

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Über Manfred Dörrbecker