13. Frauen DM: Diese Boxerinnen setzten sich im Halbfinale durch

Die DM der Frauen nähert sich dem Höhepunkt. Für die Athletinnen heißt es – noch einmal triumphieren, dann steht man als Teilnehmerin für die Endkämpfe fest. Alle Favoritinnen haben ihre Vorrunden bestanden. Aber auch der Nachwuchs boxte sich ganz nach vorn. Sie alle haben die Bronzemedaille sicher, aber keine der Athletinnen ist nach Saarbrücken gekommen, um Dritte zu werden. Sie wollen Gold, und waren bereit alles dafür zu geben. Zwei Veranstaltungen waren für die Durchführung der Semifinals geplant.

Pünktlich um 15 Uhr standen die Brandenburgerin Elisa Rhode und Isabell Hoffmann im Ring. Die beiden Halbfliegengewichte eröffneten mit ihrem Duell eine erstklassige Box Gala.
Mit dem ersten Gongschlag gingen sie in den Schlagabtausch. Es war ein verbissen geführter Kampf, der hin und her wogte. Mal kam Rhode mit ihrer Schlaghand durch, dann punktete Hoffmann mit Körperhaken. In der Schlussabrechnung hatte das Kampfgericht Isabell Hoffmann mit einem knappen 2 : 1 vorn.

In der Gewichtsklasse bis 54 kg standen sich zwei NRW-Kämpferinnen gegenüber. Während sich die Mülheimerin Michelle Hatari im Viertelfinale gegen Marie Bachmaier aus Bayern durchsetzte, bezwang Colonia Boxerin Stefanie von Berge die Niedersächsin Dominika Wolkowicz. Bisher hatten Hatari und von Berge noch nie gegeneinander geboxt.
Für beide Boxerinnen war es ihre erste deutsche Meisterschaft. Bachmaier boxte taktisch klug und versperrte mit langen Schlägen die Halbdistanz. Hatari pendelte mit dem Oberkörper die vielen Schläge ihrer Kontrahentin aus, konnte aber den einen oder anderen Treffer nicht vermeiden. Die Lücken waren für Hatari da, doch sie stand etwas zu weit weg von ihrer Gegnerin. Ihre Schläge kamen zu kurz. Trotz eines tollen Kampfes reichte es nicht für die junge Mülheimerin, um ins Finale einzuziehen, denn von Berge war ein Tick besser.

Im Leichtgewicht verlor gestern die Saarländerin Kristina Damer gegen Lisa Diehl. Da in dieser Gewichtsklasse nur drei Starterinnen gemeldet wurden, bekam Damer erneut die Chance, sich für das Finale zu qualifizieren. Dafür musste sie sich gegen die Saarbrückerin Daniela Singh durchsetzen. Daraus wurde nichts, denn Singh ging zweimal in den Angriff und brachte Damer zum Taumeln. Der Referee brach noch in der ersten Runde ab.

NRW konnte sich über eine weitere Endrunden-Teilnehmerin freuen. Aylin Gezer zeigte feinstes Führhandboxen. Auf schnellen Beinen pendelte die Remscheiderin vor und zurück und bot der Saarländerin Julia Mast kein Ziel. Alle vier Runden gewann Gezer. Im Weltergewichts-Finale wird sie auf die Hessin Anastasia Bogdanov treffen, gegen die Anja Kosbar in der dritten Runde aufgab.

Erwartungsgemäß setzte sich Leichtgewichtlerin Nina Meinke gegen Naomi Mannes durch. Taktisch klug vom Berliner Stützpunkt-Trainer, Marcus Abramowski, eingestellt, ging sie mit viel Zug nach vorn. Auffällig war, dass Meinke ihre Schlaghand wenig einsetzte. Aber das war eigentlich egal, denn siegentscheidend war ihr Jab, über den sie in Nahkampf einstieg. Alle vier Runden gewann Meinke. Sie boxt im Finale gegen Janina Bonorden, die Regina Slobodijanikow einstimmig besiegte.

Um 19 Uhr eröffneten Annemarie Stark aus Plön und Ricarda Gohlert vom LV Sachsen-Anhalt das zweite Halbfinale. Stark ist Kapitänleutnant der Streitkräfte und arbeitet in Plön an der Marineschule für Unteroffiziere. Sie gehört keinem Leistungsstützpunkt der Bundeswehr an. Gohlert konnte gegen die Plönerin nichts ausrichten, denn Starks Name war Programm: Stark kämpfte stark. Abwartend, fast lauernd, wartete sie, bis ihre Gegnerin richtig stand um dann Gohlert mit beiden Fäusten zu überraschen. Obwohl Gohlert unterlag, wird mit ihr im nächsten Jahr zu rechnen sein. Denn alles was dem Talent aus Saches Anhalt fehlt, ist Erfahrung.

Diana Loichinger aus Bayern versteht es, sich mit langen Geraden die Gegnerinnen vom Leib zu halten. Das wusste auch Marie Maciejewskie, die in Saarbrücken zum ersten Mal in der Altersklasse der Frauen boxte. Aus der Doppeldeckung griff Maciejewskie an, konnte aber nicht immer Loichingers Stöße unterlaufen. Maciejewskie verbissene Angriffe flossen nicht ineinander über, denn Loichinger bekam das Kraftpaket vom Stützpunkt Schwerin immer besser in den Griff. Nach einem Wirkungstreffer wurde Maciejewskie angezählt. Das war nicht mehr siegentscheidend, denn zu diesem Zeitpunkt führte Loichinger bereits uneinholbar. Im Finale wird Loichinger gegen Stark antreten, und das wird ungleich schwerer.

Die Saarländerin Corinna Wendt war gegen Darlene Jörling chancenlos. Jörling zeigte saubere Beinarbeit und tauchte mit beweglichem Oberkörper unter Wendts Schläge durch. Aus dem Rückwärts schlug sie im Wechsel viele Dubletten an den Kopf und Körper der Saarländerin.

Nadine Apetz gegen Andrea Strohmaier war das Mittelgewichts-Finale von 2014. Dieses Jahr gibt es eine Neuauflage. Zuerst gewann Apetz gegen die Berlinerin Oliva Endale Maky. Aus dem Rückwärtsgang überzog Apetz die Berlinerin mit einem Schlaghagel. Maky biss sich durch. Runde für Runde stürmte sie auf Apetz los. Aber es half nichts, die Hildenerin war hellwach und rüttelte sie mit ihrem heftigen Cross durch.

Strohmaiers Kampf ging nicht über die Zeit. Die Rechtsauslegerin brachte mit ihrer Schlaghand die Janine Blaseio zum Wackeln und setzte sofort nach. Grund genug für den Referee, die Brandenburgerin anzuzählen. Nachdem der Kampf frei war, wiederholte Strohmaier ihr Angriffsszenario. Doch diesmal brach der Ringrichter ab. TKO-Siegerin in Runde 1- Andrea Strohmaier.

Über Manfred Dörrbecker