Zum Studentenboxsport in Deutschland

Dr. S. Ellwanger

Nach dem 1. Weltkrieg waren die allgemeinen Bedingungen für die Ausbreitung und Förderung des Sports besonders günstig. Die Regierung förderte die Ausbreitung des Sports und die Bevölkerung beteiligte sich aus unterschiedlichen Perspektiven in bisher einmaliger Breite daran. So auch im Boxsport.
Viele Betriebe, wie die Post oder die Reichsbahn, die Fleischer-Innung oder ein Bankenverein, die Polizei, das Heer oder Piloten boxten und hatten zum Teil sogar Mannschaften, mit denen sie an den lokalen Vergleichen teilnahmen.

Mit dem Beschluss von 1927 in Königsberg war auch der Boxsport unter Studenten eingebürgert. Um den Leistungsstand und die Verbreitung zu fördern, fanden Studentenmeisterschaften statt. Nach zehn Jahren Studentenboxen kennzeichnete die Meisterschaft von 1937 in Jena die Situation:
72 Aktive bewarben sich in acht Gewichtsklassen um den Hochschulmeistertitel. In drei Tagen mussten vier Kämpfe absolviert werden.
Jeder Kampf über drei Runden zu drei Minuten. Aus den Kämpfern dieser Meisterschaft setzte sich eine deutsche Delegation zusammen, die an den VII. Akademischen Sommerspielen in Paris teilnahm.
Eine Goldmedaille errangen Leichtgewichtler Krüger, im Halbschwer Leppak und im Schwergewicht Adam.
Der Krieg schränkte auch das Boxen der Studenten ein. Nach dem Krieg breitete sich der Boxsport erst wieder 1948/49 aus und hatte in den Besatzungszonen und den beiden deutschen Staaten eine begrenzte Ausbreitung.
An der I. Hochschul-Meisterschaft der DDR in Freiberg beteiligten sich 62 Aktive aus 11 Hochschulsport-Gemeinschaften.
Fast schien es so, als sollte der Leistungssport im Boxen unter den Studenten in der DDR heimisch werden, denn an der Universität in Berlin konzentrierten sich viele, sehr gute studentische Boxsportler. Deren gewachsenes Leistungsniveau zeigte sich dann bei den XI. Akademischen Sommerspielen in Berlin, wo Nitschke und Hessler den Titel eines Studentenweltmeisters errangen. Diesen konnte Nitschke zwei Jahre später noch einmal verteidigen. Es folgten Studentenmeisterschaften meistens unter der Regie von Wagner, dem Boxlehrer an der DHfK Leipzig.
Mit der Ausbreitung des Leistungssports beherrschten auch viele Jahre ehemalige Leistungsträger das Studentenboxen. Erst Mitte der siebziger Jahre ist unter der Leitung von Dr. Richter der Studentenboxsport wiederbelebt, aber nur noch selten ein Spitzenboxer in den Studentensport eingebunden. Ab Mitte der achtziger Jahre hat der Studentenboxsport weniger Resonanz, die Teilnehmerzahlen gehen zurück.

An der Marburger Universität fanden bereits 1948 die ersten Boxmeisterschaften statt. Die 1. Hochschulmeisterschaften in der BRD begannen jedoch erst im Studienjahr 1949/50 in Mainz.
Es folgten Studentenboxturniere, bevor es erst 1958 in Karlsruhe wieder die I. Hochschulmeisterschaften unter der Regie des adh gab, gefolgt von Aachen (1959), Saarbrücken (1960). Die erfolgreichsten Boxsportler jener Zeit waren: Krückenmeier, Buchsbaum und Birkle.
Mitte der sechziger Jahre wird durch personelle Probleme bedingt und durch einen tragischen Unfall, der nicht ursächlich mit dem Boxsport verbunden war, die Ausbreitung des Boxens gestoppt.
Erst Anfang der neunziger Jahre gab es unterschiedliche Ansätze für Studentenboxen mit Turnieren in Marburg, Potsdam, Würzburg und Berlin. Das waren die Voraussetzungen für Hochschulmeisterschaften und damit zu bundesweiten Leistungsvergleichen.
Und nun haben wir sie wieder, die Hochschulmeisterschaften des adh, aufgeteilt in ein Turnier für Boxer mit wenig Erfahrung und die Meisterschaften für die Frauen und die Männer. Und die Teilnehmerzahlen steigen immer weiter. Waren es am Anfang nur Boxsportler mit ausreichender Kampferfahrung, die sich um den Titel eines Studentenmeisters/Hochschulmeisters bewarben, gibt es heute auch das Frauenboxen und Neueinsteiger, die sich in diesem Rahmen an den Boxsport herantasten.
Der Boxsport breitet sich aus. Unter diesen neuen Bedingungen sind die Turnierformen – wie in den vergangenen Jahren- nicht mehr möglich. Ein Anfängerturnier für Männer und Frauen und die Kämpfe um die Meisterschaft sprengen den bisherigen Zeitrahmen. Starteten in diesem Jahr über 220 Teilnehmer, die an einem Wochenende die Besten ermitteln wollten, ist das auch bei Wettkämpfen in 2 Ringen sportlich nicht vertretbar, wenn sich auch der kreative Veranstalter – der Hochschulsport der Uni Kiel – sehr bemühte.

Erweitert sich der Boxsport an den Universitäten und Hochschulen auch in den kommenden Jahren, sind neue Wege notwendig. Welche ?

  • Der Boxverband stellt das Kampfgericht.
  • Obwohl es Weltmeisterschaften der Studenten gibt, hat der Boxverband keine erspektivischen Überlegungen.
  • Der adh schreibt die Veranstaltungen aus und sucht unter den Studieneinrichtungen Ausrichter für die nationalen Meisterschaften. Er stellt auch finanzielle Mittel für die Ausrichtung zur Verfügung. Hier arbeitet ein ehrenamtlicher Funktionär, der versucht, die Verbindung zwischen Boxverband und adh und den Ausrichtern der nationalen Meisterschaften zu gestalten. Er ist Mitglied im adh und hat über die lokalen Funktionäre Kontakt zum Boxverband
  • Organisiert werden die nationalen Meisterschaften von den Hochschulen oder Universitäten, auch wenn sie bisher noch nie Boxturniere durchgeführt hatten. Und das ist bisher meist gut gelungen.
  • Um die Qualität der Studentenboxturniere zu erhalten, sollte :
    • die Verbindungen zwischen adh und Boxverband ausgebaut werden
    • die Hochschulmeisterschaften für Männer und Frauen und die Nachwuchsturniere werden in getrennten Veranstaltungen durchgeführt
    • da die materielle Basis für die Durchführung von Turnieren nur an wenigen Hochschuleinrichtungen gegeben ist könnte nur der Boxverband über länderübergreifende Turniere eine kontinuierliche Förderung sichern
    • die besten studentischen Boxer könnten über den Boxverband gefördert werden
    • die langfristige Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften der Studenten wird zwischen adh und dem Boxverband vorbereitet

Der Ansprechpartner für alle Fragen des Studentenboxens ist Herr Gernot Haubenthal von der Universität Würzburg.

 

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