Nachbericht Militär-WM: Witt und Abu-Lubdeh boxen sich zu Bronze

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVielen Dank an Marcus Abramowski

Zwanzig Nationen meldeten 122 Boxer zur Militär-Weltmeisterschaft, die im kasachischen Almaty stattfanden. Gastgeber Kasachstan gewann sieben der zehn Goldmedaillen und war damit der Überflieger des Turniers. Oberst Keller, der Chef der deutschen Mission und sein Teamleiter Oberfeldwebel Marcus Abramowski konnten sich über zwei Medaillen freuen. Von den sechs deutschen Boxern gewannen der Berliner Mittelgewichtler Abdulrahman Abu-Lubdeh und der Baden-Württemberger Schwergewichtler Johan Witt Bronze.
Die Deutschen Boxer wurden von einem sehr erfahrenen Trainer-Trio unterstützt, das sich nicht nur am Ring blendend verstand.  Neben Marcus Abramowski wurden Deutschlands Boxer von Dr. Harry Kapell betreut, der den sportlichen Teil am Stützpunkt Frankfurt/Oder verantwortet. Der Dritte war der zweifache Vizeweltmeister Mike Hanke. Sie alle gaben unseren Boxer den nötigen Rückhalt.

Der 19-jährige Gefreite Abu-Lubdeh bestritt seinen Auftaktkampf gegen Song Woon Sim aus Südkorea. Die ersten beiden Runden gingen an den Berliner, doch im letzten Durchgang passte er einen Moment nicht auf und fing sich eine knallharte Schlaghand des Koreaners. Der Deutsche wackelte. Dass sah auch Sim und war auf den vorzeitigen KO aus. Aber Abu-Lubdeh biss sich durch den Kampf und gewann knapp mit 2 : 1 Punkten. Damit hatte der Jüngste in der Deutschen Staffel die Bronzemedaille sicher. Im Halbfinale unterlag er mit einer technisch guten Leistung dem späteren Goldmedaillengewinner Babirjon Mominov aus Kasachstan.

Schwergewichtler Johan Witt startete überragend in das Turnier. In seinem ersten Kampf zermalmte der amtierende Deutsche Meister Ibrahim Hassan aus den Vereinten Arabischen Emiraten. Bereits in der ersten Runde erkannte der Ringrichter Witts Überlegenheit an und brach das ungleiche Gefecht ab. Danach musste Witt gegen Oliveira De Gidelson Silva aus Brasilien ran. Abramowski, hatte anfangs etwas Bauchweh, wie er später im Interview zugab, denn Gidelson Silva ist ein muskelbepackter Riese, der eine brutale Schlaghand haut. Hiervor musste sich Witt unbedingt in Acht nehmen. Aber Abramowskis Bedenken waren unberechtigt. Witt machte Tempo und verwickelte den Hünen immer wieder in einen kraftraubenden Schlagabtausch. Die letzten drei Minuten gehörten ganz dem Hauptgefreiten, da Gidelson Silva dem hohen Tempo nicht mehr folgen konnte und sichtlich einbrach. Es war ein harter Arbeitssieg, mit dem sich Witt die Bronzemedaille sicherte. Für das Finale konnte er sich nicht qualifizieren. Er unterlag dem brillanten Techniker und späteren Goldmedaillengewinner Abdullaev aus Kasachstan.

Bantamgewichtler Marcel Schneider verlor überraschend gegen den Nordkoreaner Guk Kwon Chol, genauso wie Halbwelter David Müller gegen Abdelhak Aatakni aus Marokko. Völlig unnötig ließ sich Müller gegen den Marokkaner auf den Schlagabtausch ein, statt ihn aus der Distanz zu boxen.

Im Leichtgewicht kämpfte für Deutschland der Obergefreite Theo Krechlok gegen den starken Chinesen Xia Lingjiee. Lingjiee hatte einen robusten Kampfstil und explodierte förmlich in die Angriffe. Doch die Treffer setzte der Berliner Krechlok. Nicht nur Abramowski war überrascht, als die Jury den Chinesen zum Sieger erklärte. Diesen Kampf hätte man auch anders herum geben können.

Der Hallenser Kevin Künzel boxte in Almaty seiner Form hinterher. Das zeigte sich in seinem Halbschwergewichtskampf gegen den Algerier Bouziane, in dem er nicht das abrief, was er kann. Der Stabsunteroffizier wartete auf Chancen, die sich einfach nicht ergaben und vergab so alle Möglichkeiten das Gefecht zu gewinnen.

Abramowski zollte seinen Athleten Respekt. Die beiden dritten Plätze von Abu-Lubdeh und Witt freuten ihn natürlich besonders. Auch Theo Krechlok überraschte den Oberfeldwebel, der wie Krechlok am Leistungsstützpunkt Berlin arbeitet. „Wenn alles gut geht, steht Theo bei der nächsten WM auf dem Treppchen“, da ist sich Abramowski ganz sicher.

Über Manfred Dörrbecker