Alles auf eine Karte setzen

EhrenwandTolle Reportage der Streitkräftebasis und deren Sportfördergruppe Bruchsal mit Infos über Denis Radovan und Xhek Paskali :

Boxen – Sportart der Sportfördergruppe der Bundeswehr Bruchsal.
Foto: PIZ SKB / Mariusz Ginel

Das Training ist hart, der Druck hoch. Trotz – oder gerade wegen – optimaler Trainingsbedingungen stehen Bundeswehrsportler vor vielen sportlichen und beruflichen Herausforderungen. Nationales und internationales Toppniveau zu halten ist ein täglicher Kampf und entscheidend für die Karriere.

Denis Radovan boxt. Der Leistungssportler dient als Soldaten in der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bruchsal. Der Boxer steht gerade am Beginn einer vielversprechenden Karriere, belegte 2010 Platz 3 in der Jugend-WM, wurde 2013 Deutscher Vizemeister. Im gleichen Jahr kam er als Freiwillig Wehrdienstleistender zur Bundeswehr und ist derzeit Obergefreiter.

Denis Radovan

Obergefreiter Denis Radovan

Von Beruf Sportler und Soldat Neben dem Standort Bruchsal ist die Frage nach der beruflichen Orientierung wichtig. Obergefreiter Radovan wird beobachtet. Von seinem Verein, vom Boxverband, von der Bundeswehr. Er will vorankommen und seinem Vizemeistertitel weitere Erfolge hinzufügen. „Die Bundeswehr gibt mir die Chance, mich auf mein Training zu konzentrieren und mich auf die Wettkämpfe vorzubereiten.“ Das Pensum eines Bundeswehrsportlers ist stramm. Europameisterschaft, Weltmeisterschaft und die nationale Meisterschaften als Qualifikation erfordern Disziplin und einen engen Terminplan. „In der wettkampffreien Zeit stehen dann die militärischen Lehrgänge und Ausbildungsmaßnahmen auf dem Programm“, erklärt Stabsfeldwebel Frank Heinzelbecker, der Leiter der Sportfördergruppe und selbst erfolgreicher Ringer. „Mindestens 200 Tage im Jahr schlafen die Sportler in fremden Betten statt daheim oder am Standort.“

Xhek Paskali

Xhek Paskali

Flexible Verpflichtungszeiten Das sei die Kehrseite der Medaille, treffe jedoch auch nichtmilitärische Sportler gleichermaßen. Doch im Gegensatz zu diesen, genießen die Angehörigen der Bruchsaler Dienststelle die Förderungsmöglichkeiten, die die Bundeswehr bietet. Obergefreiter Paskali Xhek verzeichnete schon einige Einsätze für Team Deutschland in der WSB und blickt mit seinen 23 Jahren bereits auf die Erfahrung von 117 Kämpfen. Seit August des vergangenen Jahres ist er Angehöriger der Sportfördergruppe Bruchsal und weiß die Unterstützung des Militärs zu schätzen. „Als Freiwillig Wehrdienstleistender bin ich zunächst für ein Jahr verpflichtet worden, was mir in meiner derzeitigen Orientierungsphase viel Sicherheit gibt.“ Denn im Berufsleben das enorme Trainingspensum eines Profis zu absolvieren beurteilt der gebürtige Albaner als schwierig. Gestartet hat der Boxer mit einer Verpflichtungszeit von zwölf Monaten, die flexibel auf 23 Monate insgesamt aufgestockt werden kann.

Enge Zusammenarbeit  Sportliche Erfolge und die Fürsprache des Boxverbandes sichern Xhek und Radovan den Verbleib in den Streitkräften. Beide wollen einen Dienstposten als Soldat auf Zeit besetzen. „Wir haben wie alle Einheiten der Bundeswehr die Möglichkeit, unsere Soldaten weiter zu verpflichten. Das geht sogar monatsweise“, erklärt Hauptfeldwebel Markus Kern. Während die Bundeswehrsportler an den Leistungszentren ihrer Verbände, im Verein oder am Olympiastützpunkt trainieren, kümmert sich der Personalsachbearbeiter um die administrativen Dinge. Die Sportler werden zum Freiwilligen Wehrdienst für elf Monate einberufen. Nach einer verkürzten Grundausbildung in Hannover gelangen sie in ihre Sportfördergruppen, die üblicherweise im Einzugsbereich der Olympiastützpunkte der jeweiligen Sportart liegen. Bruchsal arbeitet eng mit dem OSP Leimen zusammen. Im rund 40 Kilometer entfernten Heidelberg boxt Deutschlands Elite. Weiterverpflichtungen erfolgen in Abstimmung der Bundeswehr mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, sowie dem Spitzenverband. Erfolgt die Übernahme in das Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit, beginnen für den Bundeswehrsportler die Laufbahnlehrgänge.

Soldat und Sportler – Sportler als Soldat Paskali und Radovan vergleichen den Soldatenberuf mit dem des Profi-Sportlers: „Da gibt es viele Parallelen“, sagt Denis Radovan. „Beim Boxen zum Beispiel musst Du ebenfalls scharf Deine Möglichkeiten analysieren und im richtigen Moment handeln. Durch Training und Ausbildung, aber vor allem mit Disziplin hältst Du Dich fit für Deine Aufgabe.“ Damit passen für den Bundeswehrsportler die beiden Welten nicht nur theoretisch zusammen. Der Boxer will auch ohne Sportförderung beim „Bund“ bleiben. Derzeit geht es für die Boxer um die Qualifikation für Olympia. Stabsfeldwebel Heinzelbecker motiviert seine insgesamt 65 Spitzensportler: „Wer hier dabei ist, der hat einen weiteren Meilenstein seiner Karriere markiert. Sportlich wie beruflich!“

 

Über Manfred Dörrbecker