NSV-Staffel hat Minimalziel erreicht

Cheftrainer Konrad Werner

Cheftrainer Konrad Werner

Autorin: Sandra Arm

Es ist geschafft! Die Bundesligaboxer des Nordhäuser SV haben am vergangenen Samstag ihr angestrebtes Saisonziel erreicht: Rang drei. Die Meisterkrone setzte sich erneut der Velberter BC auf, Vize-Meister wurde der Aufsteiger Boxring Hanau.

Nach zwei Vize-Meistertiteln sind die Nordhäuser nicht unzufrieden über Bronze. „Diese Platzierung haben wir im Vorfeld als Minimalziel ausgegeben“, sagt Mannschaftsleiter Michael Döring, der ebenso wie Cheftrainer Konrad Werner nun etwas zur Ruhe kommen kann. Schließlich habe die Saison erneut viel Kraft und einige Nerven gekostet. Der letzte Gongschlag am vergangenen Samstag beim Saisonfinale gegen den BC Straubing schien daher wie eine Erlösung für die beiden gewesen zu sein. „Ich habe die Tage mal einen Burn-Out-Test gemacht. Ich habe versucht ehrlich zu antworten. Die Ampel zeigte Rot an“, sagt Döring.

Seine Aufgaben waren vielfältig: Er kümmerte sich nicht nur um die Mannschaft, sondern auch hauptsächlich um die Organisation und Durchführung der Heimkämpfe. Die Heimveranstaltungen kosten sehr viel Zeit und Kraft, damit am Ende alles reibungslos über die Bühne geht. „Michael hat sehr viel von mir weggehalten. Er hat viel während seiner Arbeitszeit erledigt. Auf ihm ruhte die Hauptlast“, sagt Werner, der die Situation gut nachempfinden kann. Er war in den vergangenen Jahren  mehr in der Organisation der Mannschaft mit eingebunden als in der abgelaufenen Serie.

Es war keine einfache Saison. Leistungsträger verließen den Verein in Richtung eines neuen Ligakonkurrenten. Neuzugänge mussten in die bestehende Mannschaft integriert werden. Nur selten war es Werner vergönnt, auf den kompletten Kader zurückzugreifen und in Bestbesetzung anzutreten. Das wiederum eröffnete jungen Aktiven die Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Mittelgewichtler Meriton Rexhepi nutzte sie, obwohl der 23-Jährige zweimal gegen Stefan Härtel (Velberter BC) verlor. „Er hat beide Male gute Kämpfe abgeliefert und es hat zweimal nicht gereicht. Trotzdem hat er sich durch seine Leistung ins Spiel gebracht“, hat Döring beobachtet.

Salomo N´tuve

Salomo N´tuve

Seine erste Saison für den NSV bestritt Salomo N´tuve. Der Duft der Bundesliga war ihm nicht fremd, er boxte zuvor in Babelsberg und Hannover-Seelze. „Ich wurde in Nordhausen sehr gut aufgenommen. Es ist die beste Mannschaft überhaupt“, zeigt sich der 25-Jährige von der Atmosphäre in Nordhausen begeistert. Ein Verbleib ist nicht ausgeschlossen: „Natürlich kann ich mir vorstellen, auch in der kommenden Saison für Nordhausen zu boxen. Ich warte jetzt den Sommer ab, dann entscheide ich mich.“

Gern denkt der schwedische Meister an seinen ersten Saisonsieg gegen Denis Makarov zum Saisonauftakt in Velbert zurück. „Der erste Kampf war der beste, er hat richtig Spaß gemacht.“ Auch wenn es am Ende zu einem Erfolg, der NSV unterlag knapp mit 8:10, nicht reichte, so überwog bei ihm das positive Gefühl aus seinem Einzelsieg im Leichtgewicht im Hinblick auf die weiteren sechs Einsätze. Die verliefen eher durchwachsen.

„In ein, zwei Kämpfen ist er sogar unter seinen Möglichkeiten geblieben. Wenn er da noch mal zwei Aktionen mehr gesetzt hätte, dann wäre sicherlich noch ein Sieg mehr drin gewesen. Manchmal steht er sich selbst im Weg“, schätzt Döring ein. Das Publikum zeigte sich trotzdem begeistert vom „Einflieger“ aus Schweden, der sich neben Balázs Bácskai zu einem weiteren Liebling im Ring entwickelte.

Balasz Bacskai

Balasz Bacskai

 Sechs Einsätze, sechs Siege: Das ist die eindrucksvolle Bilanz des Ungarn Balázs Bácskai. In der Mannschaftsbesprechung machte Werner immer wieder deutlich, dass die Gegner heiß sind, die Siegesserie eines Balázs Bácskai zu brechen. „Wir wollen genau das verhindern. Wir brauchen dich, um erfolgreich zu sein“, betonte Werner lautstark. Diese Worte hat der 26-Jährige mehr als verinnerlicht, belohnte das Vertrauen des Cheftrainers immer wieder mit Erfolgen. Und wird dies auch weiterhin tun, denn nach dem letzten Saisonkampf verkündete er im Beisein der Mannschaft, dass er dem NSV die Treue hält.  

 Und das zukünftig im Mittelgewicht, in dem er bereits vier Kämpfe absolvierte. „Die Entscheidung des Wechsels kam für uns doch etwas überraschend, weil wir nach dem ersten Kampf noch mal bei ihm nachgefragt haben, ob er weiterhin in der 70er boxen kann. Von ihm wurde das klar bejaht, etwas später meinte er, lieber doch nicht. Er will es in der 76er versuchen“, sagt Döring. Und auch dort enttäuschte er nicht. Vor allem nicht beim Auswärtskampf beim Boxring Hanau, als er Xhek Paskali besiegte. Als die große Überraschung der Saison sah Werner den sicheren Punktelieferanten nicht: „Warum? Ich erwarte einfach von ihm, dass er gewinnt.“

Leon Bunn

Leon Bunn

Ein Frankfurter entpuppte sich als die große Überraschung: Leon Bunn im Halbschwergewicht (bis 82 Kilogramm). Der 21-Jährige überzeugte den Cheftrainer und entwickelte sich zu einem sicheren Rückhalt im Team. „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden. Theoretisch kann man die Saison immer toppen, aber das war bisher schon sehr gut und viel besser kann man es in der 1. Liga gar nicht erwarten“, schätzt Bunn ein, der sich nach der Abiturprüfung im vergangenen Jahr, gemeinsam mit seinem Trainervater Ralph voll und ganz auf das Boxen konzentrierte.

 Wie geht’s jetzt weiter? „Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen zu bleiben. Aber man weiß natürlich nie, was kommt.“ Ein Grund weiterhin für den NSV in den Ring zu steigen, wären sicherlich auch die Zuschauer. „Die Menschen sind in Nordhausen generell sehr herzlich und kommen auf einen zu. Sie sind beim Boxen immer dabei und fiebern mit. Es macht richtig Spaß vor so tollen Fans in der Halle zu kämpfen und mit korrekten Menschen zu arbeiten.“

 Im „Hexenkessel“ will jeder boxen. Bis zu 1.000 Zuschauer sorgten bei den vier Heimkämpfen für eine stimmungsvolle Atmosphäre in der Ballspielhalle. Die auch Sebastian Günther vom PSV Erfurt beim Saisonfinale zu beflügeln schien. Im Weltergewicht machte er selbst Werner ein wenig sprachlos, angesichts seines  Sieges über Klemens Ruder. „Er hat mich arg überrascht. Ruder ist ja mal ein Name gewesen. Frühere haben wir Kämpfe gegen Ruder abgeschrieben“, sagt Werner. Günther könnte nach dem Gewichtsklassenwechsel von Bácskai der neue Mann im Weltergewicht werden. „Er ist Thüringer, hegt keine Ambitionen wechseln zu wollen. Er muss aber dabei bleiben“, betont Döring, der schon gleich nach dem letzten Gongschlag mit den Planungen für die kommende Saison begonnen hat. Aber ganz langsam.

 Statistik

 1.      Velberter BC – NSV 10:8

2.      NSV – Boxring Hanau 9:8

3.      SV Motor Babelsberg – NSV 11:7

4.      BC Straubing – NSV 9:9

 5.      NSV – Velberter BC 7:9

6.      NSV – SV Motor Babelsberg 9:8

7.      Boxring Hanau – NSV 9:8

8.      NSV – BC Straubing 10:6

Einsätze der 16 Aktiven in den einzelnen Gewichtsklassen

Name

Gewichtsklasse

Einsätze

Sieg

Unentschieden

Niederlage

Salomo N´tuve

Leichtgewicht

7

3

2

2

Marcel Schneider

Leichtgewicht

1

1

0

0

David Müller

Halbweltergewicht

4

0

3

1

Angelo Welp

Halbweltergewicht

2

0

0

2

Clarence Goyeram

Halbweltergewicht

2

1

0

1

Balázs Bácskai

Weltergewicht

2

2

0

0

Sebastian Günther

Weltergewicht

4

2

0

2

Angelo Welp

Weltergewicht

1

0

0

1

Sebastian Knigge

Weltergewicht

1

0

0

1

Balázs Bácskai

Mittelgewicht

4

4

0

0

Meriton Rexhepi

Mittelgewicht

2

0

0

2

Marcus Finke

Mittelgewicht

1

0

0

1

Sebastian Formella

Mittelgewicht

1

0

0

1

Leon Bunn

Halbschwergewicht

5

4

1

0

Kevin Künzel

Halbschwergewicht

2

1

0

1

Marcus Finke

Halbschwergewicht

1

0

0

1

Eigen Waigel

Schwergewicht

4

1

1

2

Artur Mann

Schwergewicht

2

0

0

2

Kevin Künzel

Schwergewicht

1

0

0

1

Steven Wasielewski

Schwergewicht

1

0

0

1

Über Manfred Dörrbecker