Sieger der Zweiten Bundesliga ist der BSK Hannover-Seelze

Von D. Bünemann

Der BSK Hannover-Seelze hat sich gebührend aus der aktuellen Saison verabschiedet: Der neue Meister der Zweiten Bundesliga, dem schon am vorletzten Kampftag die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen war, besiegte zuhause die KG Hertha BSC/ BC Cottbus deutlich mit 14:9!

Schon im ersten Kampf des Abends ließen die Hausherren keinen Zweifel daran, dass ihr Erfolgshunger trotz des bereits gesicherten Titels noch lange nicht gestillt war.

Steven Maleika (bis 52 kg) verstand es, seinen Gegner Movsar Isaev geschickt auszuboxen und immer wieder mit der Schlaghand zu punkten. In der zweiten Runde musste der Berliner angezählt werden und sich am Ende deutlich nach Punkten geschlagen geben.

Ebenso souverän trat Koray Bedir (bis 57 kg) gegen Marco Lebedar auf. Der BSK-Boxer ließ sich von den Reichweitenvorteilen seines Kontrahenten nicht beeindrucken, sondern kannte nur den Vorwärtsgang. Vor allem in der zweiten Runde landete er harte Treffer, die Lebedar sichtlich beeindruckten. Auch im Schlussdurchgang ließ der Seelzer nichts mehr anbrennen und sicherte sich den Punktsieg.

Eine Begegnung auf Augenhöhe bekamen die zahlreichen Zuschauer in der Gewichtsklasse bis 61 kg zu sehen, als Seelzes Chatschik Abramov auf Gurgen Hambarzumjan traf. Beide Athleten starteten motiviert, schenkten sich nichts und lieferten sich sehenswerte Schlagabtausche. Während Hambarzumjan nach vorne marschierte, verließ sich Abramov auf seine flinken Beine und seine Technik – und konnte so am Ende triumphieren.

Dem nächsten Kampf konnten die Gastgeber entspannt entgegenblicken: Der Gegner von Thulassi Tharumalingam (bis 65 kg), Magomed Zultigoy, hatte beim offiziellen Wiegen Übergewicht – damit ging die Begegnung automatisch an den BSK. Doch das war für Tharumalingam kein Grund,sich zurückzunehmen. Stattdessen bewies er ein gutes Auge, dank dem er von Anfang an immer wieder klare, harte Treffer gegen seinen kompakt agierenden Gegner landen konnte. An seinem Punktsieg gab es keinen Zweifel.

Dafür holten die Gäste im nächsten Duell des Abends ihre ersten Zähler: Grachik Melkonian (bis 70 kg) fand gegen den aus der Distanz boxenden Zaur Dzakaev einfach nicht das richtige Rezept.

Umso spannender wurde es in der Gewichtsklasse bis 76 kg, denn hier hatte BSK-Athlet Jakob Deines noch eine Rechnung mit Jamny Kumande offen. Im letzten Aufeinandertreffen der beiden musste sich Deines knapp nach Punkten geschlagen geben. Auch diesmal war es ein äußerst enges Duell, doch hatte der Seelzer immer einige Hände mehr im Ziel und steigerte sich im Verlauf des Kampfes. In der letzten Runde fügte er Kumande zudem einen Cut zu, sodass die Begegnung kurz unterbrochen und der Ringarzt konsultiert werden musste. Dieser gab den Kampf zwar wieder frei, doch seine Niederlage konnte der Berliner nicht mehr abwenden.

Boxen auf höchstem Niveau gab es auch im Halbschwergewicht (bis 82 kg) zwischen Elvis Hetemi und Kevin Debrah. Hetemi war von Beginn an der Chef im Ring und landete immer wieder harte Treffer, zog sich aber im Schlussdurchgang noch einen Cut zu. Davon angespornt warf Debrah noch einmal alles in die Waagschale, doch der Seelzer hielt dagegen und ließ sich seinen Triumph nicht mehr nehmen.

Der Höhepunkt des Abends stand aber noch aus: Publikumsliebling Eugen Schellenberg (ab 81 kg) stieg zum letzten Kampf seiner Karriere in den Ring! Schon beim Einmarsch des Schwergewichtlers kam Gänsehaut-Feeling auf, als das Publikum seinen Favoriten mit Standing Ovations begrüßte! „Das habe ich noch nie erlebt“, sagte BSK-Trainer Arthur Mattheis gerührt. „Das zeigt, wie sehr Eugen bei unseren Fans beliebt ist und welche Bedeutung er für unseren Verein hat.“

Im Ring stellte sich der zweifache Deutsche Meister dann dem unsauber boxenden Peter Waitschies. Am Ende wurde die Begegnung unentschieden gewertet. „Das ist schade, ich habe Eugen vorne gesehen. Er hatte die klareren Treffer und war aktiver“, so Mattheis.

Doch davon ließen sich die Seelzer nicht die Stimmung verderben: Nach dem letzten Kampf des Abends gab es Champagnerduschen, Jubelgesänge und gemeinsames Feiern mit den Zuschauern, die den ganzen Abend ihren BSK angefeuert hatten. Zudem wurden Pokale verteilt: an Eugen Schellenberg für seine Verdienste um den Verein, an Jakob Deines als bester Boxer der Liga und an Elvis Hetemi, der als einziger BSK-Athlet die Saison ungeschlagen beendete. Doch ungeschlagen blieb mit diesem letzten Heimsieg auch der BSK insgesamt in dieser Saison – sowohl heim als auch auswärts konnte das Team um Mattheis und dessen Trainerkollegen Dmitri Schunk alle Begegnungen für sich entscheiden. „Das hat noch keine Mannschaft vor uns geschafft“, jubelte Mattheis überglücklich. „Das zeigt, dass wir auf jeden Fall in die Erste Liga gehören. Wir sind bereit!“

Und genau dort wollen die Seelzer auch in der nächsten Saison starten. Ein wenig Kapital fehlt zwar noch, doch Mattheis ist überzeugt, das nötige Kleingeld aufbringen zu können – verdient haben er und seine Boxer es auf jeden Fall.

Über Manfred Dörrbecker